Richtig bewerben – die schwierigsten Fragen beim Vorstellungsgespräch

 

Beim Bewerbungsgespräch darf man nie vergessen, dass der Interviewer, also der Personalreferent, gezielt auf Einstellungs- und Bewerbungsgespräche geschult ist. Ziel eines Bewerbungsgespräches ist es, den Bewerber möglichst gut kennenzulernen, um festzustellen ob dieser dem Anforderungsprofil für die Stelle gerecht werden kann. Dabei kann der Fragesteller aber auch gezielt bestimmte Fragestellungen oder Strategien anwenden, um Sie aus der Reserve zu locken, oder gar zu provozieren. Dabei handelt es sich um sogenannte Stressfragen oder Fangfragen. Im Anschluss werden 10 solcher Stress- oder Fangfragen aufgezeigt, und wie man diese möglichst gut beantwortet.


TIPP:

Ziel dieser Stress- oder Fangfragen ist es nicht, dass diese inhaltlich oder sachlich perfekt beantwortet werden. Der Fragesteller will Sie vielmehr unter Druck setzen, und Sie einer Stresssituation aussetzen, um zu sehen wie Sie mit Stress umgehen können. Bei solchen Fragen sollte man also auf jeden Fall erstmal ruhig bleiben, bewusst etwas durchatmen, und sich an seine vorbereiteten Antworten erinnern. Das bedeutet also, dass man sich zu all diesen Fragen schon im Vorfeld seiner Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch seine Antworten zurecht gelegt haben sollte. Damit wird es wohl schwer möglich sein, dass der Fragesteller Sie aus der Ruhe bringen, bzw. stressen kann, oder Sie sogar aus der Reserve bringt.

1. Wie reagieren Sie, wenn Sie kritisiert werden?

Diese Frage lapidar mit „Damit kann mich niemand treffen“ zu beantworten wäre ganz falsch. Das ist absolut nicht glaubwürdig, und würde Ihnen in jedem Fall negativ ausgelegt werden. Jeden trifft Kritik, und jeder macht sich darüber zumindest entsprechende Gedanken. Hierbei ist es wichtig herauszustellen, um welche Art der Kritik es sich handelt, und wie die schwere der Kritik zu werten ist. Formulierungen wie „Es kommt darauf an…“ sind hier sehr hilfreich. Sie sollten herausstellen, dass berechtigte und konstruktive Kritik durchaus auch hilfreich sein kann. Wichtig ist es, dass man sich bei dieser Frage „als Mensch“ darstellt, der Kritik selbstverständlich auch unangenehm finden kann, und aus Kritik aber auch versucht Positives zu ziehen.

2. Welchen Vorteil hat unser Unternehmen, wenn wie Sie einstellen?

Bei dieser Frage gilt es Selbstbewusstsein zu zeigen, und dennoch eine gewisse Bescheidenheit zu bewahren. Größenwahn oder Aufschneiderei sind hier fehl am Platze. Hier geht es darum Ihre Qualifikationen als Nutzen für das Unternehmen darzustellen. Dabei ist es wichtig Punkt für Punkt das in der Jobbeschreibung ausgeschriebene Anforderungsprofil zu analysieren. Man sollte die darin gefundenen Vorteile für das Unternehmen noch um Aspekte wie Identifikation mit der Firmenphilosophie, Motivation, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit oder Pünktlichkeit ergänzen.

3. Was für eine Rolle spielt Geld für Sie?

Diese Frage kann man als Standardfrage bezeichnen, die auch vergleichsweise leicht zu beantworten ist. Ebenso wie das Unternehmen, wollen auch Sie Geld verdienen. Und zwar aus dem Grund, dass eine gute Leistung auch entsprechend gut entlohnt werden sollte. Antworten wie „Für mich spielt Geld keine große Rolle“ sind absolut zu vermeiden, denn sonst wird der Personalchef gleich kontern, dass Sie mit einem Minimalgehalt zufrieden wären, oder warum Sie überhaupt eine Arbeit suchen. Wenn Sie auf höfliche und selbstbewusste Art und Weise dem Fragesteller klar machen, dass auch Sie eine Familie ernähren müssen, und die Miete für Ihre Wohnung auftreiben müssen, dann sollte dies immer überzeugend sein.

4. Was ist ihr größter Fehler, und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Ein sehr schwer zu beantwortende Frage, bei der man schnell aufs Glatteis geführt werden kann. Hier ist weder absolute Ehrlichkeit hilfreich, noch sollte man dem Personalchef Lügenmärchen auftischen. Die Frage zielt darauf ab, ob Sie fähig sind sich selbst richtig einzuschätzen, und ob Sie in der Lage sind Selbstkritik üben zu können. Banalitäten sind hier also nicht gefragt, da jeder Mensch schon größere Fehler begangen hat. Hier ist Fingerspitzengefühl bei der Auswahl des Fehlers gefragt, denn es er darf nicht zu gravierend sein, so dass dieser negativ für sie ausgelegt werden könnte. Der Fehler sollte von Ihnen aber letztendlich so dargestellt werden, dass Sie im Nachhinein froh sind diese Erfahrung gemacht zu haben, weil Sie daraus für die Zukunft gelernt haben.

5. Was für positive Charaktereigenschaften fehlen Ihnen?

Auf diese Frage kann man sich eigentlich gut vorbereiten, und man sollte sich hierbei Charaktereigenschaften heraussuchen, die zwar bei Ihnen vorhanden sind, bei denen aber Verbesserungspotenzial besteht. Die Frage sollte Sie eigentlich nicht aus der Reserve locken, da man sich hierauf relativ gut vorbereiten kann. Ziel der Frage ist es festzustellen, in wie weit Sie fähig sind selbstkritisch zu sein, und sich selbst richtig einschätzen können. Die Frage mag auf den ersten Blick sehr persönlich wirken, und Sie müssen dem Fragesteller Ihre Schwächen darlegen, ohne dabei schlecht wegzukommen.

6. Was für einen Tick haben Sie?

Diese Frage zielt darauf ab, wie Sie sich in bestimmten Stresssituationen oder aber auch Alltagssituationen verhalten, und zwar auf eher unübliche Art und Weise. Natürlich sollte man den Personalchef erstmal fragen, was genau er meint, denn die Frage lässt mehrere Denkrichtungen zu. Dabei gewinnt man auch etwas Zeit. Es kann sich um eine außergewöhnlichen Angewohnheit handeln, ein unterbewusstes Handeln in bestimmten Situationen, eine Marotte, aber auch nette oder sympathische Verhaltensweisen. Bei der Beantwortung dieser Frage sollte man es auf jeden Fall vermeiden sich selbst ein Eigentor zu schießen, und lieber einen harmlosen oder netten Tick vorbringen. Ein Beispiel dafür könnte der persönliche Glücksbringer in bestimmten Situationen sein, auf den Sie immer vertrauen.

7. Meiner Meinung nach scheinen Sie für diese Stelle zu unerfahren zu sein, was sagen Sie dazu?

Auf diese Frage muss man unbedingt selbstbewusst und überzeugend antworten. Hier gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten. Zum einen müssen Sie Ihre Kompetenzen und Stärken in Bezug auf das Jobprofil herausstellen. Zum anderen, auch wenn Sie möglicherweise wenig oder noch keine Berufserfahrung haben, dann könnten Sie auch argumentieren, dass Sie unvoreingenommen und ohne starre Strukturen eine interessante Aufgabe mit Kompetenz und Motivation angehen. Hierbei kommt es auch auf die Ihre Formulierungen, weshalb Sie beispielsweise nicht das vom Fragesteller verwendete Wort „unerfahren“ benutzen sollten.

8. Welche Literatur hat Ihren beruflichen Werdegang am meisten beeinflusst?

Mit dieser Frage versucht der Fragesteller durch die von Ihnen bevorzugte Literatur auf Ihre Persönlichkeit zu schließen. Der von Goethe bekannte Ausspruch „Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist“ wird in diesem Zusammenhang auf die Art der gelesen Literatur abgewandelt. Man sollte sich hierbei also schon überlegen, welche Rückschlüsse die ein oder andere möglicherweise kritische Literatur schließen lässt. Man sollte auch hier sicher keine Lügenmärchen erzählen, da sonst die Rückfragen zum Verhängnis werden können. Für weniger belesene Menschen, bleibt immer noch das Internet als „Lese- und Informationsquelle“ übrig.

9. Was war die verrückteste Aktion bisher in Ihrem Leben?

Diese Frage zielt auf Ihre Kreativität ab. Man kann hier sicher alle Arten von privaten und vor allem positiven Aktionen anführen, vorzugsweise wenn sich diese durch Eigenschaften und Verhaltensweisen auszeichnen, welche auch für den zukünftigen Job wichtig sind. Beispielsweise lässt eine 7-tägige selbst organisierte Mountainbiketour über die Alpen mit 5 Freunden auf Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen, Planungsfähigkeit, Belastbarkeit und Stressresistenz schließen. Weniger erwähnenswert ist eine schiefgegange berufliche Aktion bei einem Ihrer früheren Arbeitgeber.

10. Wie sehen Sie mich als Ihren Interviewer

Bei dieser Frage handelt es sich um eine echte Falle, und hierbei geht es darum diese auf elegante Art und Weise zu umgehen oder ihr auszuweichen. Hier ist Improvisationsvermögen gefragt. Es macht keinen Sinn, den Personalchef überschwänglich zu loben, wie nett doch dieses Gespräch sei, oder ihn zu kritisieren. Viel mehr empfiehlt es sich wortgewandt den Kopf aus dieser „Frageschlinge“ zu ziehen, in dem man diese Frage in freundlicher, aber direkter Art und Weise als Fangfrage „entlarvt“, und versucht durch eine gezielte Sachfrage noch mal auf das eigentliche Bewerbungsgespräch zurückzuleiten.

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