Sport trotz Bandscheibenvorfall

 
Bildquelle: iStockphoto.com / Bandscheibenvorfall © Jeannot Olivet

Die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall können vielfältig sein. Ob Unfall, Überlastung der Bandscheiben durch einseitge berufliche oder sportliche Belastungen, oder ungesunde Verhaltensweisen, wie zum Beispiel schlechtes dauerhaftes Sitzen, falsches Heben und Tragen von schweren Lasten im Alltag etc. Für viele Menschen stellt sich nach einem behandelten Vorfall der Bandscheibe die Frage, inwieweit kann man wieder Sport machen? Die Schwierigkeit liegt bei diesem Thema sicherlich darin, dass es keine einheitliche Aussage, welche für alle Fälle eines Bandscheibenvorfalls allgemeingültig ist. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang sicherlich immer, sich langsam an eine Belastung der Wirbelsäule heranzutasten, um die Grenzen der Belastbarkeit vorsichtig auszuloten.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?




Die Bandscheiben sind der „elastische Puffer“ zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Sie sind äußerst belastbar, und übernehmen eine wichtige Aufgabe für die Funktion und Elastizität der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem gallertartigem Kern und einer Hülle. Bei einem Bandscheibenvorfall wird infolge einer zu großen Belastung der Bandscheibe die Hülle der Bandscheibe zerquetscht, und der gallerartige Kern der Bandscheibe herausgepresst. Meist wird dadurch der Nerv im Spinalkanal gedrückt und ebensfalls gequetscht.

Eine intakte Wirbelsäule ist enorm belastungsfähig

Bei einer intakten und gesunden Wirbelsäule ist ein Bandscheibenvorfall kaum denkbar, außer durch eine Unfall oder ein ungewöhnliche äußere Einwirkung. Durch die natürliche Doppel-S-Form, Lordose und Kyphose, stehen alle Wirbel sauber und parallel aufeinander, und belasten die jeweiligen Bandscheiben ganz gleichmäßig über die gesamte Auflagefläche der Bandscheibe, womit eine gleichmäßige Druckverteilung auf die gesamte Auflagefläche der Bandscheiben gewährleistet ist. Das ganze „System Wirbelsäule“, mit Wirbeln, Bandscheiben, Bandapparat und entsprechender Muskulatur ist sehr, sehr stabil, und ist sehr belastungsfähig.

Wie kann es zur Schädigung der Wirbelsäule durch einen Bandscheibenvorfall kommen?

Um einen Bandscheibenvorfall erklären zu können muss man sich Folgendes vorstellen. Man muss sich die Bandscheiben wie eine Art Schwamm vorstellen. Durch Belastung der Bandscheiben werden diese zusammengedrückt. Der Druck auf die Fläche der Bandscheiben kann bei bestimmten Belastungen enorm groß sein, weil die Hebelverhältnisse zwischen den einzelnen Wirbeln sehr ungünstig sein können, wenn man beispielsweise schwere Lasten falsch anhebt, bzw. trägt. Auf die Bandscheibe kann im Extremfall ein Druck von nicht ganz einer Tonne ausgeübt werden.

Bis zu einem gewissen Grad kann sich die Bandscheibe immer wieder erholen, wenn man dem „Schwamm“ Bandscheibe genügend Regenerationszeit in Form von Schlaf gewährt, genügend trinkt, damit sich der Schwamm auch wieder vollsaugen kann, und wenn man genügend spezifische Rücken- und Bauchmuskulatur hat, um die Schwerstarbeit der Bandscheiben zu unterstützen.

Wie kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen?

Werden die Belastungen für die Bandscheiben über die Jahre zu groß, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Hat man beispielsweise eine schlechte Bauch- und Rückenmuskulatur, belastet man die Wirbelsäule durch einseitige Sportarten zu extrem, oder hat man bestimmte Fehlstellungen, wie zB durch verkürzte Hüftbeuger, werden die Belastungen für die Bandscheiben zu groß, und die Hülle der Bandscheibe platzt auf und der gallertartige Kern tritt aus, und somit hat man einen Bandscheibenvorfall. Oft haben viele Menschen einen Bandscheibenvorfall, und merken aber gar nichts davon, denn ein Bandscheibenvorfall wird erst dann problematisch, wenn die kaputte Bandscheibe auf einen Nerv im Spinalkanal de Wirbelsäule drückt. Der Spinalkanal ist der Kanal durch die Wirbelsäule, in dem die einzelnen Nervenbahnen zum Körper verlaufen. Ist dieser Spinalkanal zu eng, dann bleibt kein Platz für das ausgetretene Bandscheibenmaterial, und der Nerv wird gedrückt, und kann geschädigt werden. In schlimmen Fällen lässt sich eine Bandscheibenoperation nicht vermeiden.

Kann man nach einem Bandscheibenvorfall Sport treiben?

Auf diese Frage kann man selbstverständlich keine pauschale Antwort geben. Je nach Art und Schwere des Bandscheibenvorfalls muss das jeder für sich selbst herausfinden. Eine Bandscheibenoperation schließt Sport sicher nicht aus.

Die spezifische Muskulatur um die Wirbelsäule muss die Stützfunktion übernehmen

Tatsache ist es, dass die Wirbelsäule selbst ihre natürliche Stützfunktion bei beschädigten Bandscheiben nicht mehr voll übernehmen kann. Jetzt muss man unbedingt dafür sorgen, dass man entsprechende Bauch- und Rückenmuskulatur antrainiert, welche einen Teil der Stützfunktion der Wirbelsäule übernehmen muss. Welchen Belastungen die Wirbelsäule dann im Einzelfall noch standhält, muss jeder für sich nach einem Bandscheibenvorfall langsam herausfinden. Auf jedem Fall ist es sicher möglich weiterhin Sport zu machen. Allerdings nur mit einem permanenten Bewusstsein für die Belastbarkeit der Wirbelsäule, und mit einem kontinuierlichen Training für die Wirbelsäule.

Mögliche Ursachen eines Bandscheibenvorfalls

Auch durch den Sport selbst kann man die Wirbelsäule schädigen. Beispielsweise durch einseitige Sportarten, wie zum Beispiel Tennis, weil dadurch muskuläre Dysbalancen entstehen, welche letztendlich wieder Fehlstellungen verursachen und die Bandscheiben deutlich mehr belasten. Aber auch wenn zum Beispiel die Beinmuskulatur durch übermäßiges Radfahren zu stark belastet wird, verkürzt diese, und verursacht ein Kippen des Beckens. Dadurch stehen die Wirbel im Lendenbereich nicht richtig aufeinander, sondern verkanten, und begünstigen somit einen Bandscheibenvorfall.




Wie kann man einen Bandscheibenvorfall verhindern?

Kann man gezielt einen Bandscheibenvorfall verhindern? Auch hier ist zwar keine allgemein gültige Aussage möglich, aber es gibt Richtlinien. Man sollte vor allem Zeit seines Lebens immer auf eine kräftige und ausgeglichene Rücken- und Bauchmuskulatur achten. Bei einseitigen Sportarten oder bei einseitigen körperlichen Belastungen sollte man immer ein Ausgleichstraining machen, um muskuläre Dysbalancen zu vermeiden. Ebenso sollte man es nie versäumen die belastete Muskultaur immer wieder zu dehnen. Hier sind vor allem die hintere Beinmuskulatur und der Hüftbeuger zu erwähnen, da diese gerne einen Beckenschiefstand verursachen können.

Wie schont man am besten die Bandscheiben?

Außerdem gehören natürlich gesunde Verhaltensweisen im Alltag dazu, um eine Schädigung der Wirbelsäule zu vermeiden, und somit einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Beim Heben schwerer Lasten ist immer darauf zu achten, dass man diese bei möglichst aufrechtem Oberkörper hebt, und den Schwerpunkt der Last möglichst nah am Körper hat. Bei sitzenden Tätigkeiten möglichst aktiv und arufrecht sitzen. Der Leitsatz „Kopf hoch, Brust raus“ ist ebenfalls sehr wichtig für eine gesunde Wirbelsäule.

Regelmäßiges Dehnen und spezifisches Krafttraining helfen die Wirbelsäule zu kräftigen

Wie schon vorher erwähnt wurde, ist spezifisches und regelmäßiges Krafttraining und Dehnen sehr wichtig um einen Bandscheibenvorfall zu vermeiden. Natürlich spielt es auch eine große Rolle, dass man den Körper immer genügend Schlaf zur Regeneration gönnt, und ebenfalls das Körpergewicht möglichst gering hält, damit auch kleinen Kräfte auf die Wirbelsäule einwirken.

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Sport trotz Bandscheibenvorfall
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Erfahrungen und Tipps zum Thema Bandscheibe, Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfall. Worauf muss man bei Sport trotz Bandscheibenvorfall achten muss
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Arnulf Müller-Delius
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